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„Ein echter Mann lässt nichts an sich ran.“ Dieses Klischee von Männlichkeit wird sehr häufig schon auf Jungen im Kindesalter übertragen: „Echte Jungs weinen nicht“ oder „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“! Doch dieses Rollendenken ist überholt. Auch Männer dürfen Gefühle zeigen, Probleme haben oder einmal ihr Innenleben nach außen kehren. Dasselbe gilt natürlich auch für Jungen. Ziel der Jungenarbeit in der Grundschule ist es daher, die Jungen auf der Suche nach einer ausgewogenen Männlichkeit zu unterstützen. Sie sollen zu emotional lebendigen Jungen werden, sie dürfen auf der einen Seite „cool“, „lässig“ oder „hart“ sein; doch auf der anderen Seite dürfen sie auch einmal traurig sein und offen über ihre (positiven und negativen) Gefühle sprechen. Es nicht „nicht männlich“ wenn ein Junge über sich und seine Sorgen spricht und sich dabei anderen Jungen offenbart. Leider dominiert in der Gesellschaft immer noch das klassische Gesellschaftsbild, das auch Jungen immer nur als „coole Jungs“ ansieht. Hinzu kommt ein Konkurrenzdruck unter den Jungen, verbunden mit der Angst als Versager oder als „weiblich“ zu gelten, wenn man diesem Klischee von Männlichkeit nicht entspricht. Daher und aufgrund eines Mangels an geeigneten männlichen Vorbildern folgen viele Jungen auch Vorbildern aus den Medien, die ein Paradebeispiel für das angesprochene klischeehafte Bild von Männlichkeit darstellen.

An der GGS Sülztal werden seit November 2002 Jungengruppen für Jungen aus dem zweiten bis vierten Schuljahr angeboten. In diesem wöchentlich stattfindenden Nachmittagskurs haben die Jungen die Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln und werden so auf ihrer „Suche nach Männlichkeit“ unterstützt. Die Jungen werden angeregt, sich anderen Jungen anzuvertrauen, sich zu öffnen und Vertrauen zu entwickeln, Konfliktlösungsstrategien zu erlernen und Teamfähigkeit einzuüben. Die Jungengruppe ist dabei ein Schutzraum: Da nur Jungen anwesend sind, fällt es den Kindern leichter, aus ihrem klischeehaften Rollenverhalten auszubrechen, da sie sich nicht in ihrer „Männlichkeit“ präsentieren und beweisen müssen.

Durch zahlreiche Spiele und spielerische Übungen werden die Jungen angeregt, neue Verhaltensweisen kennenzulernen. Sich auf andere Jungen zu verlassen; sich mit seinen Vorbildern reflektiert auseinander zu setzen; Kontakt (auch Körperkontakt) mit anderen Jungen zuzulassen, um so Vertrauen zu entwickeln; Regeln im Zusammenleben mit anderen Jungen zu entwickeln: Dies sind einige der Aspekte, die im Rahmen von verschiedenen Übungsformen für die Kinder erfahrbar gemacht werden.

Die Bandbreite der Spiele reicht von wilden Raufspielen („Raufen nach Regeln“) über Rollenspiele bis zu ruhigen Entspannungsphasen (Massagespiele, Fantasiereisen, ...). Dabei wird darauf Wert gelegt, dass die Jungen Spaß haben. Auf der einen Seite dürfen sie toben, auf der anderen Seite kommen sie auch wieder zur Ruhe und können entspannen.

Ausflüge in den Wald oder an den Holzbach runden das Angebot ab und werden für die Jungen zu besonderen Erlebnissen. Auf einem Abenteuertag erleben die Jungen ihre sozialen Kompetenzen, wenn sie "reißende Flüsse" durchqueren oder "steile Berge" erklimmen. Den Abschluss nach einem ganzen Jahr in der Jungengruppe bildet jeweils eine dreitägige Abschlussfahrt in die Jugendherberge Lindlar.

Auf dem Erlebnistag an einem Samstag im Sommer müssen die Jungen der Jungengruppe in zahlreichen Aufgaben ihre Teamfähigkeit unter Beweis stellen. Das Durchqueren "reißender Flüsse" gehört auch dazu.

Als die Jungen der Jungengruppe am Ende des Erlebnistages durch den Holzbach in Richtung Schule zurück wateten, waren sie erschöpft, dreckig und nass, aber sie haben an diesem Tag viel über ihre Stärken gelernt; sie haben gemerkt, dass sie auch die schwersten Aufgaben lösen können, wenn sie zusammenhalten und sich gegenseitig helfen.

Ende Januar fährt die Jungengruppe stets für drei Tage in die Jugendherberge Lindlar. Dabei gab es bis jetzt immer ausreichend Schnee.

Die Jugengruppe schließt auch intensive Elternarbeit ein. Dazu gehören auch ein Väterabend und ein Vater-und-Sohn-Abend.

Jungenarbeit in der GGS Sülztal ist als ein Baustein der geschlechtsspezifischen Pädagogik zu sehen, bei der in nach Geschlechtern getrennten Gruppen auf die verschiedenen Voraussetzungen und Bedürfnisse der Kinder gezielter eingegangen werden kann, als es in einer gemischten Schulklasse oftmals möglich ist.

Eine von vielen Aufgaben für die Jungen: Als "Paket" verschnürt müssen die Jungen einen Ball suchen, dabei aber auf die anderen Jungen in ihrer Gruppe achten. Nur gemeinsam kann diese Aufgabe sicher bewältigt werden.

Eine "Modenschau" für Jungs... aus Zeitungen!

Auf der Nachtwanderung während der Fahrt in die Jugendherberge.